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16.06.2016 - BNW-Projekt hilft Kindern mit Migrations- und Flüchtlingsgeschichte

Eine neue Sprache lernen – das geht am besten im Austausch mit anderen. Diesem Prinzip folgt die künstlerisch-ästhetischen Sozialarbeit, die das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) an der Peter-Ustinov-Schule in Hannover umsetzt. In dem Kunstprojekt bekommen Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 und 6 mit Migrations- oder Flüchtlingsgeschichte Raum, sich gestalterisch auszudrücken – und nähern sich im Miteinander der deutschen Sprache und Kultur.

„Ankommen, Wohlfühlen, Selbstvertrauen gewinnen, Sprachlich vorankommen – darum geht es hauptsächlich in unserem Projekt“, sagt BNW-Projektleiterin Bianca Moskalik. Dafür trifft sie sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Sana Driller, die an der Peter-Ustinov-Schule als interkulturelle Bildungslotsin tätig ist, einmal die Woche mit bis zu zwölf Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf. Fast alle Jungen und Mädchen haben einen Migrationshintergrund, viele sind mit ihren Eltern aus der Heimat geflohen. Ob mit Acrylfarbe, Filzstift oder Kreide: In Bildern drücken die Kinder aus, was in ihnen vorgeht – und reden darüber.

Kurz vor den Sommerferien stimmen Bianca Moskalik und Sana Driller ihre Schützlinge schon mal auf die freie Zeit ein. „Was machst du in den Ferien?“, fragen sie reihum nach der Begrüßung im Stuhlkreis. „Fußball spielen“, sagt die zwölfjährige Amida. „Tanzen“, meint der elfjährige Waris. „Und spielen.“ Inspiriert von den Antworten geht es dann ran an die Leinwände. Gemalt wird heute mit Acrylfarbe. Die meisten sind mit dem Pinsel schnell dabei.

„Häufig  gestalten die Kinder Bilder zu ihren Herkunftsländern“ erzählt Bianca Moskalik. „Beliebte Motive sind vor allem die Flaggen der Länder, Landschaften und für die Kinder wichtige Orte, Menschen und Tiere.“ Auch heute ist das Leitthema Ferien schnell vergessen. Neben der englischen Flagge entsteht ein Sonnenuntergang, daneben pinselt die elfjährige Maria ein Haus am See. „Ich brauche hellblau“, ruft sie. „Überleg mal“, fordert sie Bianca Moskalik auf. „Welche Farben brauchst du, um hellblau zu mischen?“

Das Lernen – der Farblehre genauso wie von Umgangsformen oder neuen Wörtern – passiert im Projekt ganz nebenbei. Nicht nur während der Entstehungsphase hat jeder etwas zu fragen, zu erzählen oder zu kommentieren, auch danach leiten die Bilder direkt über ins Gespräch: „Ist das Bild erst da, möchte man etwas darüber erzählen“, weiß Bianca Moskalik. Und das ist ausdrücklich erwünscht: In Anlehnung an die Motive erklären die Pädagoginnen den Jungen und Mädchen zum Beispiel einzelne Worte und Bedeutungen und machen gegebenenfalls kulturelle Unterschiede deutlich.

Seit dem Projektstart im Februar 2016 haben sich nicht nur reichlich Bilder angesammelt – auch die ersten Fortschritte sind sichtbar. „Man sieht, dass die Schülerinnen und Schüler mehr aus sich herauskommen und auch sprachlich hat sich schon etwas getan“, sagt Sana Driller. In kleinen Schritten legen die Jungen und Mädchen ihre Schüchternheit ab, entwickeln Selbstbewusstsein und fassen Vertrauen zu anderen. Karin Haller, Schulleiterin der Peter-Ustinov-Schule, ist von der Arbeit des BNW überzeugt: „Seit vielen Jahren arbeiten wir mit dem BNW zusammen und setzen erfolgreich Projekte zur Förderung unserer Schülerinnen und Schüler um. Das Kunstprojekt legt eine wichtige Basis und schlägt eine Brücke zu anschließender Sprachförderung und Berufsorientierung“, sagt Karin Haller. „Da wir ab dem kommenden Schuljahr als Oberschule neben dem Haupt- auch den Realschulabschluss anbieten, schließen Projekte wie die künstlerisch-ästhetische Sozialarbeit eine wichtige Lücke in der Förderkette.“  Bis 2017 soll das Kunstprojekt in jedem Fall fortgesetzt werden.

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