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Weltalphabetisierungstag am 8. September 2025 

Digitale Grundbildung: Am Arbeitsplatz lernen 

Wenn man an Menschen denkt, die nicht richtig lesen oder schreiben können, dann denkt man selten an Berufstätige. Und doch: Mehr als 60 Prozent der 6,2 Millionen Menschen in Deutschland mit erheblichen Lese- und Schreibproblemen haben einen Job. Sie arbeiten oft unter hohem Druck, mit wenig Lohn und noch weniger Anerkennung. In der Produktion, in der Pflege, in der Reinigung, im Lager. Also in Berufen, in denen der Wandel der Arbeitswelt besonders hart zu spüren ist. 

Einfache Helferjobs werden weniger. Das sagt nicht nur das Gefühl am Fließband, sondern auch das Institut der Deutschen Wirtschaft. Maschinen übernehmen mehr. Was bleibt, verlangt mehr. Mehr Kommunikation, mehr Eigenverantwortung, mehr Technikverständnis. Wer nicht mitkommt, bleibt zurück. Und das in einer Welt, in der fast alles voraussetzt, dass man sich sprachlich und digital zurechtfindet. 

Es geht also nicht nur ums Alphabet. Es geht um Teilhabe. Wer nicht versteht, was da geschrieben steht, auf dem Bildschirm, auf dem Schild, auf dem Formular, der wird still. Der fragt nicht nach. Der traut sich nicht. Und wer sich nicht traut, wird übergangen. 

Lernen am Arbeitsplatz – weil dort die Lebensrealität liegt 

Viele dieser Menschen schaffen es nicht in klassische Kurse. Zu weit weg vom Alltag. Zu steil die Einstiegshürden. Zu oft mit Scham verbunden. Viel sinnvoller ist Lernen dort, wo sie ohnehin sind. Auf der Arbeit. Zwischen Pausenraum und Werkbank, zwischen Frühschicht und Feierabend. 

Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) setzt genau dort an. Gemeinsam mit Betrieben werden Lernangebote entwickelt, die nicht überfordern, sondern ermutigen. Die zeigen, was möglich ist, wenn man die Scheu verliert. Kurse, in denen es nicht nur um Buchstaben geht. Sondern auch ums Navigieren in digitalen Systemen, ums Verstehen von Arbeitsanweisungen oder um das Schreiben einer E-Mail an die Teamleitung. 

„Mit der Digitalisierung unserer Lernsettings und unserer Grundbildungsmaterialien passen wir uns den veränderten technologiebasierten Arbeits- und Lernbedingungen von Arbeitskräften an. Wir führen das Lernen am Arbeitsplatz mit innovativen Inhalten und Methoden fort“, sagt Andreas Krestel, Geschäftsführer des BNW. 

Das klingt nach Fortschritt. Aber es ist vor allem eine Frage von Respekt. 

Denn wer in Bildung investiert, investiert in Menschen. Und wer Menschen ernst nimmt, macht ihnen Mut, sich weiterzuentwickeln. Ganz gleich, wo sie anfangen. 

 

Was bedeutet funktionaler Analphabetismus?

Funktionaler Analphabetismus heißt nicht, dass jemand gar nicht lesen oder schreiben kann. Die Betroffenen können einzelne Wörter entziffern, kommen aber bei zusammenhängenden Texten oder Formularen schnell an ihre Grenzen. Die Ursachen sind vielfältig. Schlechte Schulerfahrungen, soziale Umstände, persönliche Krisen. 

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