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Warum die Chemie wichtiger ist als Kompetenz: Das unterschätzte Geheimnis einer Hochleistungskultur

In vielen Unternehmen dominiert noch immer der Glaube, dass hervorragende Ergebnisse fast ausschließlich das Resultat fachlicher Exzellenz sind. Wer kompetent ist, liefert ab, so die weit verbreitete Annahme. Doch dieser Blick auf Zusammenarbeit greift erstaunlich kurz. Denn selbst in hochprofessionellen Umgebungen scheitern Projekte nicht an fehlendem Wissen, sondern an einem viel subtileren Faktor. Dieser Faktor ist die emotionale Qualität der Beziehungen im Team.

Die Illusion der reinen Professionalität

Viele Menschen kennen folgende Situation. Sie arbeiten mit jemandem zusammen, der oder die fachlich brillant ist. Die Aufgaben werden korrekt ausgeführt, das analytische Denken überzeugt und auch zeitliche Vorgaben werden eingehalten. Und trotzdem ist die Zusammenarbeit belastend. Man arbeitet ungern zusammen, obwohl die Kompetenz eindeutig hoch ist.

Der Grund dafür ist selten objektiv messbar und wirkt gerade deshalb unscheinbar. Es ist das Gefühl von Anspannung, das sich in der Zusammenarbeit einschleicht. Ein diffuses Empfinden, das kaum jemand offen thematisiert, obwohl es die gemeinsame Leistung stärker beeinflusst als manche technische Fähigkeit.

Dieses angespannte Gefühl ist in der Arbeitswelt weit verbreitet. Dennoch wurde es lange ignoriert. Die Annahme lautete, dass sich Professionalität durch rationale Distanz auszeichnet. Man müsse Gefühle ablegen, sobald man das Büro betritt, und sich auf Ergebnisse konzentrieren. Doch diese Vorstellung ist nicht nur veraltet, sondern nachweislich falsch.

Die Bedeutung des relational affect

Ein Forschungsfeld, das diese Dynamik präzise untersucht, liefert dazu wichtige Erkenntnisse. Besonders deutlich wird dies in einer Studie aus dem Jahr 2008. Die Forschenden wollten herausfinden, nach welchen Kriterien Menschen Partner für schwierige Aufgaben auswählen.

Intuitiv würden viele erwarten, dass bei komplexen Aufgaben die fachliche Kompetenz ausschlaggebend ist. Doch die Studie zeigt ein anderes Muster. Menschen wählen nicht die kompetentesten Partner, sondern jene, mit denen sie ein positives Gefühl verbinden. Dieses Phänomen trägt den Namen relational affect. Gemeint ist das Gefühl, das wir ganz konkret mit einer bestimmten Person verbinden und das unser Verhalten beeinflusst, ohne dass wir es bewusst steuern.

Dieser Effekt ist so stark, dass er Kompetenz überlagern kann. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Chemie nicht stimmt, blendet unser Gehirn sogar Leistungsfähigkeit aus. Die Entscheidung, mit bestimmten Kolleginnen oder Kollegen lieber nicht zusammenzuarbeiten, basiert daher weniger auf einer objektiven Analyse als auf einem emotionalen Reflex.

Gerade in Unternehmen, die viel Wert auf Professionalität legen, wird dieses Muster oft als unangebracht oder irrational bewertet. Doch die empirischen Daten zeigen sehr deutlich, dass es tief verankert ist und sich nicht durch Appelle an die Vernunft abschalten lässt. Gefühle sind in der Zusammenarbeit immer präsent, unabhängig davon, wie professionell Menschen auftreten.

Was Anspannung mit Leistung macht

Noch eindrucksvoller wird dieser Zusammenhang, wenn man die messbaren Auswirkungen betrachtet. Eine zweite umfangreiche Untersuchung, an der unter anderem der Forscher Hendrik Wilhelm beteiligt war, nahm fast zweitausend Operationen in einem Krankenhaus unter die Lupe. Ziel war es, herauszufinden, welche Emotionen im Team die gemeinsame Leistung beeinflussen.

Zu den untersuchten Emotionen zählten unter anderem Motivation, Entspannung, Nervosität und Anspannung. Die Erwartung der Forschenden war, dass positive Gefühle wie Motivation zu besseren Ergebnissen führen würden. Doch die Daten zeichneten ein überraschendes Bild.

Keine der positiven Emotionen hatte Einfluss auf die Leistungsqualität. Stattdessen zeigte sich eine einzige Emotion mit erheblicher Wirkung. Es war die Anspannung zwischen den beteiligten Personen. Sobald im Team mindestens eine Person angespannt war, weil sie sich mit einer anderen Person unwohl fühlte, sank die gemeinsame Leistung messbar ab.

Dabei handelt es sich nicht um einen Kompetenzverlust. Die Mitarbeitenden blieben fachlich genauso gut. Doch die emotionale Spannung wirkte wie ein unsichtbarer Widerstand, der den Ablauf störte und die Leistungsfähigkeit einschränkte.

Für Unternehmen bedeutet das: Auch hochqualifizierte Teams geraten an ihre Grenzen, wenn die emotionale Beziehung zwischen den Teammitgliedern belastet ist. Der Leistungsrückgang entsteht nicht aufgrund mangelnden Wissens, sondern aufgrund eines gestörten emotionalen Kontextes.

Warum Team Building oft ins Leere läuft

Angesichts solcher Erkenntnisse stellt sich die Frage, wie Organisationen mit unvermeidbaren Spannungen umgehen können. Denn in der Realität können sich Menschen ihre Kolleginnen und Kollegen nicht aussuchen. Strukturen, Verantwortlichkeiten und Rollen sind oftmals klar zugeteilt.

Der klassische Lösungsansatz besteht aus Team-Building-Maßnahmen. Man fährt für ein Wochenende in ein Seminarhaus, baut gemeinsam Spaghetti-Türme oder läuft über heiße Kohlen. Diese Aktivitäten sollen Vertrauen stärken und die Beziehung verbessern. Doch die Wirkung bleibt meist begrenzt.

Denn Team-Building erzeugt selten das, was Teams tatsächlich brauchen. Gemeint ist ein intensives, gemeinsames Erfolgserlebnis, das unmittelbar mit der realen Arbeit zu tun hat. Genau das zeigt die oben beschriebene Studie aus dem Krankenhaus. Die Operationen, die außergewöhnlich gut verliefen, hatten einen starken positiven Effekt auf das Teamklima. Ein gemeinsamer Hit löste Anspannung deutlich wirkungsvoller als jede künstliche Übung.

Der Grund ist einfach. Erfolgserlebnisse innerhalb der echten Arbeit erzeugen ein Gefühl von Wirksamkeit und Kompetenz, das sich nicht simulieren lässt. Während Team Building künstliche Situationen schafft, liefert ein echter Erfolg einen authentischen Beweis der eigenen Leistungsfähigkeit. Dieser Beweis stärkt das Vertrauen in sich selbst und in die anderen und reduziert Spannungen nachhaltig.

Ein pragmatischer Weg für Unternehmen

Unternehmen benötigen daher einen Ansatz, der Zusammenarbeit emotional entlastet und gleichzeitig die Leistung stärkt. Dazu gehören folgende Schritte:

  1. Bewusstsein schaffen
    Es ist wichtig, anzuerkennen, dass Gefühle Teil der Arbeit sind und die Qualität der Zusammenarbeit beeinflussen. Teams müssen lernen, Anspannung zu erkennen, statt sie zu verdrängen.
  2. Gemeinsame Erfolge ermöglichen
    Unternehmen sollten gezielt Projekte planen, die schnelle Erfolgserlebnisse ermöglichen. Es muss nicht das große Jahresprojekt sein. Auch kleine Sprintziele können eine starke Wirkung entfalten.
  3. Realistische Ziele setzen
    Ein gemeinsamer Hit entsteht nicht zufällig. Er entsteht, wenn Teams Ziele erreichen, die anspruchsvoll und gleichzeitig erreichbar sind.
  4. Reflexion in den Alltag integrieren
    Statt komplexer Konfliktgespräche helfen kurze, regelmäßige Reflexionsschleifen, um Anspannung früh wahrzunehmen.
  5. Führungskräfte qualifizieren
    Führungskräfte sollten lernen, emotionale Muster im Team zu erkennen und darauf konstruktiv zu reagieren.


Diese Schritte sind deutlich wirkungsvoller als Versuche, die Anspannung durch lange Gespräche zu analysieren oder künstliche Teamrituale zu etablieren. Der Fokus muss dort liegen, wo die Beziehung wirklich entsteht, nämlich in der täglichen Zusammenarbeit und den gemeinsam erreichten Ergebnissen.

Fazit

Die Leistungsfähigkeit eines Teams hängt in hohem Maße von der emotionalen Dynamik ab. Anspannung ist ein zentraler Faktor, der die gemeinsame Arbeit massiv ausbremsen kann. Positive Emotionen allein reichen nicht aus, um dies auszugleichen. Vielmehr zeigt die Forschung, dass gemeinsame Erfolgserlebnisse der stärkste Hebel sind, um Anspannung zu reduzieren und Vertrauen aufzubauen.

Für Unternehmen bedeutet das eine klare Schlussfolgerung. Wer Hochleistungskultur ernst meint, muss die emotionale Dimension der Zusammenarbeit berücksichtigen. Organisationen profitieren am stärksten, wenn sie Bedingungen schaffen, in denen Teams regelmäßig echte Erfolge erleben. Diese Erfolge wirken wie ein Kraftstoß, der die Zusammenarbeit entlastet, Klarheit schafft und die Basis für nachhaltige Leistungsfähigkeit legt.

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